Workshop Tomatensaatgut

Im Rahmen der Aktionswochen gentechnikfreies Essen fand am 15. September auf dem Biohof Mertens Wiesbrock in Rietberg ein Workshop zum Thema „Tomatenvielfalt genießen und eigenes Saatgut gewinnen“ statt. Der Hof ist Mitglied bei bioverita und bioverita-Mitarbeiterin Hannah Grebe steht im regen Austausch mit der Gärtnerei. Um der Kundschaft des Hofes das Thema Bio-Züchtung näher zu bringen, entstand die Idee des Workshops.

Unterschiede in Farbe, Form und Geschmack

Mit Blick auf die letzten reifenden Tomaten im herbstlichen Sonnenschein konnten die Teilnehmenden sich zunächst durch das gesamte Tomatensortiment des Hofes probieren. Nicht nur in Farbe und Form, sondern besonders im Geschmack zeigten die Früchte bei genauerem „Hinschmecken“ Unterschiede. Gärtnerin Magdalene Mertens berichtete, dass es auch im Anbau merkliche Unterschiede gibt.

Gemeinsam mit ihrem Mann begann sie vor über 30 Jahren, auf dem Hof Tomaten nach biologischen Richtlinien anzubauen. Damit legte sie den Grundstein für den heutigen Hofbetrieb, der neben einem Hofladen und Wochenmärkten den Kund:innen auch einen Lieferservice und viele Workshops bietet.

Wissen, wo die Sorten herkommen

Vielfalt und Geschmack haben bei der Sortenwahl für den Anbau schon immer eine Rolle gespielt. Aber auch die Herkunft der Sorten ist für den Betrieb wichtig, erläuterte Mertens: „So wie die Kund:innen Wert auf eine verantwortungsvolle Herkunft ihres Gemüse legen, so sind wir als Betrieb auch Kunde bei den Saatgutfirmen. Wir möchten wissen, wo unsere Sorten herkommen, und wir wollen mit unserem Kauf nicht die globalen Züchtungsunternehmen unterstützen.“

Samenfeste Sorten von Bio-Züchter:innen können im Anbau oft noch nicht mit dem Ertrag und der Einheitlichkeit von Hybrid-Sorten mithalten. Daher kann nicht das gesamte Sortiment kurzfristig umgestellt werden. Aber nach und nach sind durchaus Anpassungen möglich: So wurde dieses Jahr auf dem Hof versuchsweise eine samenfeste Möhre aus Bio-Züchtung angebaut. Diese hat nicht nur geschmacklich überzeugt, sondern sich auch im Anbau bewährt.

Eigenes Saatgut von der Lieblingstomate

Die Tomate Ruthje ist eine samenfeste Sorte aus der Bio-Züchtung von Kultursaat e.V. und schon lange im Sortiment des Hofes. Mit ihrer Herzform und ihrem außergewöhnlich guten Geschmack ist sie bei vielen Kund:innen schon seit Jahren beliebt. Warum also nicht der Käuferschaft zeigen, dass aus dieser Sorte eigenes Saatgut gewonnen werden kann – denn samenfeste Sorten lassen sich, anders als Hybrid-Sorten, einfach nachbauen. In diesem Zusammenhang erläuterte Hannah Grebe, was Bio-Züchtung bedeutet. Neben vielen Informationen sollten die Teilnehmer:innen auch ihr eigenes Saatgut mit nach Hause nehmen können.

Dazu wurde das Fruchtfleisch der Tomate Ruthje ausgelöffelt und mit etwas Wasser in ein Glas gegeben. Mit einem Tuch abgedeckt gärte es ca. zwei Tage, damit sich die keimhemmende Schicht auflöst, die die Samen umgibt. Sobald die Samen zu Boden gesunken sind, können sie in einem feinen Sieb abgespült und am besten in einem Kaffeefilter getrocknet werden. Luftdicht verschlossen hält sich das Saatgut etwa 4–6 Jahre. Die Workshop-Teilnehmer:innen konnten diese letzten Arbeitsschritte mit bereits fertig vergorenen Samen durchführen.

Sorten für die Zukunft – ganz ohne Gentechnik

Wer erlebt, was samenfest bedeutet und wer schmeckt, was Bio-Züchtung kann, ist schnell überzeugt, dass es keine Gentechnik braucht, um die Sorten der Zukunft zu züchten. Bio-Gärtner und Gärtnerinnen arbeiten ohne Gentechnik.

Die Verwendung von Sorten aus Bio-Züchtung ermöglicht, das Angebot von samenfesten Sorten zu festigen und zukünftig zu erweitern. Der Saatgutworkshop auf dem Biohof Mertens-Wiesbrock lädt zum Nachmachen ein. Wir unterstützen Euch gerne dabei!

Workshopkonzept

Einige Hinweise zur Durchführung eines vergleichbaren Workshops haben wir in diesem pdf-Dokument zusammengefasst, inklusive Materialliste und weitergehenden Informationen.  

Fotos: bioverita