Gute Gründe! Warum Gentechnik und Bio nicht zusammenpassen

Noch bevor in Europa und anderen Regionen gesetzliche Regelungen für den Bio-Bereich entstanden, hatte sich die internationale Bio-Bewegung auf vier Grundprinzipien der ökologischen Produktion verständigt. Mit diesen Prinzipien wird das Werte-Fundament für Bio weltweit definiert.
Auch in der aktuellen EU-Gesetzgebung wird auf diesen Prinzipien aufgebaut: Die Aufnahme neuer Stoffe oder Technologien in die EU-Öko-Verordnung wird daran gemessen, ob diese Stoffe oder Technologien den „Prinzipien der ökologischen Produktion“ entsprechen.

Durch die Gegenüberstellung der neuen Gentechniken (NGT) mit den vier IFOAM-Prinzipien (Gesundheit, Ökologie, Gerechtigkeit und Sorgfalt) lässt sich deutlich zeigen, warum NGT nicht mit den Grundwerten der Bio-Branche vereinbar sind – unabhängig von Detail-Regelungen in Verordnungen oder Gesetzen. Zusammengetragen von Carlin Pagel (Bioland).

1. Prinzip der Gesundheit

Der Ökolandbau soll die Gesundheit von Boden, Pflanze, Tier und Mensch als ein Ganzes und Unteilbares bewahren und stärken. Gesundheit bedeutet hierbei die Ganzheit und Integrität lebendiger Systeme, deren Schlüsseleigenschaften Widerstandsfähigkeit, Immunität und Regeneration sind.

>NGTs basieren auf einem reduktionistischen Ansatz. Statt die Gesundheit und Selbstregulation der Pflanze im Agrarökosystem z. B. durch Förderung von gesunden, lebendigen Böden zu fördern, versuchen NGTs, komplexe Probleme durch isolierte, künstliche und tiefe Eingriffe im Genom im Labor zu „reparieren“.

2. Prinzip der Ökologie

Der Ökolandbau baut auf lebendigen Ökosystemen und natürlichen Kreisläufen auf, arbeitet mit ihnen und stärkt diese. Ein zentrales Ziel ist das Erreichen eines ökologischen Gleichgewichts durch den Erhalt der genetischen und agrarwirtschaftlichen Vielfalt.

>Mit NGTs wird gezielt versucht, die natürlichen evolutionären Anpassungs- und Selektionsprozesse zu umgehen. Anstatt auf biologische Vielfalt und standortspezifische Anpassung zu setzen, bringen sie technisch standardisiertes Saatgut aus dem Labor auf die Felder. Die unkontrollierte Ausbreitung von NGT-Pflanzen in der Umwelt birgt zudem das Risiko, das empfindliche ökologische Gleichgewicht zu stören und die natürliche Pflanzenvielfalt zu gefährden, die Basis für eine nachhaltige und sichere Lebensmittelerzeugung sind.

3. Prinzip der Gerechtigkeit

Dieses Prinzip fordert soziale und ökologische Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Der Ökolandbau soll zur Ernährungssouveränität beitragen und basiert auf fairen, offenen Handels- und Produktionssystemen.

>Auch die Generationengerechtigkeit ist betroffen. Was wir heute tun, hat Auswirkungen auf die Zukunft. Gentechnik in Ökosystemen ist nicht rückholbar.

4. Prinzip der Sorgfalt

Ökologische Landwirtschaft muss stets in einer vorsorgenden und verantwortungsvollen Weise betrieben werden, um die Umwelt sowie die Gesundheit heutiger und zukünftiger Generationen zu schützen. Da unser Verständnis von komplexen Ökosystemen unvollständig ist, muss bei neuen Technologien äußerst umsichtig gehandelt werden.

>Die Deregulierung von NGTs (Wegfall von Risikoprüfungen und Monitoring) bricht komplett mit diesem Vorsorgeprinzip. NGT-Pflanzen ohne gründliche, wissenschaftliche Absicherung und Rückverfolgbarkeit großflächig freizusetzen, ist das genaue Gegenteil der geforderten Umsicht und Sorgfalt gegenüber Mensch und Natur.

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