bioverita auf den Regionalmessen

Die regionalen Fachmessen bieten Händler:innen die Möglichkeit, Hersteller:innen und Lieferant:innen persönlich zu treffen und sich jenseits des Alltagsgeshäfts über Produkte und Neuheiten zu informieren. Dieses Jahr war bioverita mit einem eigenen Stand auf den Messen in Augsburg und Hamburg präsent. Beide Messen zogen mit jeweils etwa 350 Aussteller:innen rund 3.000 Besucher:innen an. Eine gute Gelegenheit für uns, mit Ladner:innen ins Gespräch zu kommen und sie über aktuelle Themen zu informieren.

Sorten aus Bio-Züchtung stärken die Unabhängigkeit der Bio-Landwirtschaft und bieten ein vielversprechendes Profilierungsmerkmal für den Fachhandel. Gemeinsam mit Partnern wie den Großhändlern Bodan Naturkost und Grell Naturkost und der Bingenheimer Saatgut brachte bioverita schon in den letzten Jahren das Thema Bio-Züchtung auf die Regionalmessen. In diesem Jahr lautete die Botschaft: Bio arbeitet weiter ohne Gentechnik! Und dazu braucht es auch die Bio-Züchtung.

Der bioverita-Stand auf der BioNord

Bio-Züchtung für die Bio-Branche

Die Stärkung der Bio-Züchtung ist für die gesamte Bio-Branche wichtiger denn je. bioverita verweist schon seit vielen Jahren auf die Abhängigkeit der Bio-Branche von Sorten aus konventioneller Züchtung. Diese Sorten werden auf Bio-Flächen vermehrt und sind dann als zertifiziertes Biosaatgut verfügbar.

Doch ihre Züchtung fand auf konventionellen Flächen und unter Verwendung chemischer Pflanzenschutzmittel und synthetischer Dünger statt. Dass es auch anders geht, beweist die Bio-Züchtung. Sie arbeitet von Anfang an unter Bio-Bedingungen.

Manuelle Bestäubung einer Zucchiniblüte

Saatgut- und Sortenwahl betrifft auch den Fachhandel

Durch die im Juni beschlossene Deregulierung der Neuen Gentechnik, darf in der konventionellen Züchtung nun Neue Gentechnik eingesetzt werden. 2028 können erste gentechnisch veränderte Sorten auf den Markt kommen. Für den Biolandbau sind sie tabu, denn Neue Gentechnik bleibt im Biolandbau ausgeschlossen. Hier werden also weiterhin gentechnikfreie Sorten benötigt.
Hinzu kommt, dass die EU ab 2037 vorschreibt, dass ausschließlich Bio-Saatgut im Biolandbau eingesetzt wird. Aktuell kann bei zu geringer Verfügbarkeit von Bio-Saatgut auf konventionelles ungebeiztes Saatgut zurückgegriffen werden.

Diese Ausnahmeregel hat dazu geführt, dass die Herstellung von Bio-Saatgut nicht so stark gestiegen ist wie der Biomarkt insgesamt. Um die EU-Vorgabe 2037 erfüllen zu können, müssen die Mengen an verwendeten Bio-Saatgut sukzessive gesteigert werden. Da Bio-Saatgut teurer ist und nicht für alle etablierten Sorten herzustellen sein wird, betrifft dies letztlich nicht nur die Anbauer:innen von Gemüse und Getreide, sondern die gesamte Lieferkette. Eine wachsende Nachfrage nach Bio-Saatgut sichert gleichzeitig aber den Fortbestand gentechnikfreier Sorten.

POS-Plakatkampagne „Gentechnik? Bio macht’s ohne!“

Da konventionell hergestellte Produkte aus Neuer Gentechnik ab 2028 im Handel nicht gekennzeichnet werden müssen, können Verbraucher:innen nicht wissen, welche Technik in ihrem Essen steckt. Ein gutes Argument also, Bio-Produkte zu kaufen. Gemeinsam mit vielen Partner:innen hat bioverita in dem Bündnis „Bio-Branche ohne NGT“ ein Plakat für den Biohandel entworfen, das genau dafür wirbt: Der Slogan „Bio macht´s ohne“ macht Bio-Kund:innen darauf aufmerksam, dass Sie im Bio-Handel einkaufen sollten, wenn sie keine Gentechnik essen möchten.

Die Messebesucher:innen nahmen das Plakat gerne mit, um es in ihrem Geschäft aufzuhängen. Viele hatten von der Deregulierung der Neuen Gentechnik gehört und fanden wichtig, Informationen zu bekommen, die sie an ihre Kund:innen weitergeben können. Das Resümee von Hannah Grebe von bioverita zu den Messeauftritten fiel deshalb auch positiv aus: „Wenn wir die Ladner:innen davon überzeugen können, diese Botschaft nach außen zu tragen, ist es leichter, mit ihnen zukünftig über Sortenwahl und Saatgut ins Gespräch zu kommen“.

Podiumsdiskussion auf der BioSüd

Diese Haltung brachte sie auch wirkungsvoll in eine Gesprächsrunde auf der bioSüd ein: Unter der Überschrift Bio-Saatgut — Wie geht es weiter nach der Deregulierung der Gentechnik? diskutierte Hannah Grebe auf dem Podium mit Freya Schäfer (FiBL), Sascha Damaschun (Bodan Naturkost) und Brunhard Kehl (AÖL) unter Moderation von Detlef Harting. Die Veranstaltung machte dem Publikum eindringlich deutlich, welche Aufgaben angesichts der Verwendung der Neuen Gentechnik in der Züchtung sowie mit der Verpflichtung auf 100% Bio-Saatgut ab 2037 auf die Bio-Branche zukommen.

Jens Brehl von der Plattform „Über Bio“ hat das Gespräch in einem Beitrag zusammengefasst: https://www.ueber-bio.de/bio-branche-zwischen-neuer-gentechnik-und-bio-saatgut/

Podiumsdiskussion auf der BioSüd, Foto ©Jens Brehl

Apfelverkostung auf der bioNord

Dank der Obstverkostung durch Inde Sattler und Matthias Ristel vom Verein Apfel:gut e.V. wurde die Bio-Züchtung während der BioNord in Hamburg auch sinnlich erlebbar. Die Besucher:innen konnten neben der Apfelsorte Wanja, der ersten Obstsorte aus Bio-Züchtung, auch die neu angemeldete Sorte Liva und weitere Äpfel und Birnen aus der Züchtung probieren. Besonders anhand von Äpfeln lässt sich gut verdeutlichen, warum die Versprechen der Neuen Gentechnik zu kurz gegriffen sind.

Ein Apfelbaum muss sein Können über viele Jahre unter Beweis stellen. Werden kurzfristige Resistenzen gegen Krankheiten durchbrochen, gefährdet das den Ertrag über Jahre. Daher ist es besonders wichtig, den Baum in seinem ökologischen System zu verstehen und auf langfristige Resilienz zu setzen. Genau das ist das Prinzip von Apfel:gut.

Besonderer Dank gilt dem Dachverband Ökologische Pflanzenzüchtung, der personell an beiden Ständen unterstützt und Fachwissen eingebracht hat.

Apfelverkostung auf der BioNord in Hamburg

Fotos: bioverita (soweit nicht anders angegeben)