
Die diesjährige Jahresversammlung von bioverita fand am 29.5.26 in Frankfurt am Main statt. Sie gab den anwesenden Mitgliedern nicht nur einen Rückblick auf die Aktivitäten des Vorjahres, sondern brachte vor allem die Vorschläge zur Neuausrichtung zur Abstimmung (nähere Informationen dazu gibt es hier), die aus dem rund einjährigen Strategieprozess hervorgegangen waren. Zudem gab es Änderungen im Vorstand und in der Geschäftsführung.
Rückblick auf die Biofach 2025
Wie in den Vorjahren nahm auch 2025 die Planung und Durchführung des Gemeinschaftsstandes „Treffpunkt Öko-Züchtung“ auf der Biofach im Februar viel Kapazitäten in Anspruch. Mit der neuen Fläche in der zentralen Halle 9 bot sich die Gelegenheit, die Öko-Züchtung sehr viel prominenter als zuvor auf der Messe zu präsentieren. Für die kleinere Fläche musste ein neuer Stand konzipiert und mit den Mitausstellern abgestimmt werden.
Bei der Finanzierung halfen dankenswerterweise wie schon in den Jahren zuvor Stiftungen, Bioverbände und einige bioverita-Mitglieder. Insgesamt wurde der Stand sowohl von unseren Partnerorganisationen als auch von Besucher:innen sehr positiv aufgenommen und das umfangreiche Informationsangebot, das auch mehrere Vorträge umfasste, rege genutzt.

Weitere Messeauftritte von bioverita
In den folgenden Monaten des Jahres 2025 waren wir an den Hausmessen unserer Großhandelspartner Bodan, Grell, Rinklin und Terra mit einem Stand präsent. Zusammen mit der Bingenheimer Saatgut AG hatten wir Stände bei der Bio-Süd in Augsburg sowie an der Bio-Nord in Hamburg. Diese Präsenzen sind für uns wichtige Anlässe, um mit den Kund:innen unserer Marktpartner ins Gespräch zu kommen und sie dabei über die Bio-Züchtung und Möglichkeiten der Vermarktung zu informieren.
Unter dem Motto „Öko-Züchtung erleben“ war bioverita Mitte Juni auf dem Bio-Züchtungsareal bei den Öko-Feldtagen im sächsischen Canitz mit dabei. Auf den Demoparzellen unserer Partner Biosaat, Dottenfelder Hof, Sativa und Bingenheimer Saatgut waren viele Getreide- und Gemüse-Sorten aus Bio-Züchtung zu sehen. Sie wurden im Rahmen von Führungen von den Anbauberatern erläutert.

Öffentlichkeitsarbeit und Werbemittel
Neben den Messepräsenzen spielte 2025 auch die Öffentlichkeitsarbeit wieder eine wichtige Rolle. Dazu gehört der vierteljährlich erscheinende Newsletter mit rund 300 Abonnenten sowie unsere dreisprachige Website (deutsch/englisch/französisch) mit knapp 23.000 Besucher:innen in 2025. Über 5.000 Besucher:innen kamen über die Sortenliste Gemüse auf unsere Website, über 2.600 über die Getreideliste – diese Zahlen verdeutlichen die Bedeutung der Sortenlisten für die Wahrnehmung von bioverita im Netz.
Mit dem hölzernen bioverita-Display kam 2025 ein wichtiges neues Werbemittel hinzu. Dutzende der Displays wurden über unsere Großhandelspartner:innen an engagierte Biohändler verteilt, damit sie bioverita-zertifizierte Gemüsesorten im Laden auffällig, aber mit wenig Aufwand präsentieren können.

Tätigkeiten der Labelkommission
Parallel zu den Aktivitäten des bioverita-Teams war im Hintergrund weiterhin die Label-Kommission tätig. Die ehrenamtlich arbeitenden Züchtungsexpert:innen führten im Jahr 2025 drei Audits bei Züchter:innen durch und segneten insgesamt 27 Anträge für neue Sorten aus Bio-Züchtung ab.
Bis Ende 2025 waren damit 209 Gemüsesorten, 46 Getreidesorten, eine Futterpflanzensorte, je drei Kräuter- und Blumensorten sowie eine Apfelsorte aus Bio-Züchtung von bioverita-zertifiziert.

Jahresabschluss 2025
Markus Johann erläuterte in der Rolle des Geschäftsleiters den Jahresabschluss für das Jahr 2025. Die Rechnung schließt nach Auflösung von 15.000 CHF Rückstellungen mit einem Überschuss von 561,92 CHF ab. Das Eigenkapital per 31.12.25 betrug CHF 81.439,29 CHF.
Markus verlas den Bericht der Revisoren (Niklaus Bolliger und Ruedi Vögele). Amadeus Zschunke stellte die Rechnung und den Revisionsbericht zur Diskussion und zur Abstimmung. Beides wurde von der Versammlung einstimmig angenommen und Vorstand sowie die Geschäftsführung damit entlastet.
Budget 2026
Anschließend präsentierte Markus Johann das Budget für 2026. Bei Einnahmen von rund 204.216,50 CHF und Auslagen von 212.800,00 CHF wird mit einem Verlust von 8.583,50 CHF gerechnet.
Die höheren Ausgaben entstanden durch die Kosten des Strategieprozessen und können durch Rücklagen ausgeglichen werden Das Budget wurde von der Versammlung einstimmig angenommen.
Danksagung an die Labelkommission
Im Rahmen der Neuausrichtung (siehe unten) wird die Labelkommission abgeschafft, da ihre beiden Hauptaufgaben zukünftig entfallen, nämlich die Wiederholungsaudits der Züchter:innen und die Prüfung von Sortenanträgen. Amadeus Zschunke nutzte daher die Jahresversammlung dafür, sich ausdrücklich für die geleistete Arbeit der Labelkommission zu bedanken.
Namentlich waren neben seiner eigenen Person Edith Lammerts van Buuren und Jan Velema für die Gemüsekulturen tätig, Monika Messmer und Willmar Leiser (zuletzt abgelöst durch Barbara Eder) für die landwirtschaftliche Kulturen. Rückblickend hob Zschunke hervor, dass es insbesondere am Anfang von bioverita eine große Hilfe war, auf die Unterstützung von neutralen Expert:innen zählen zu können. Dies trug maßgeblich zur Glaubwürdigkeit von bioverita bei.
Neuwahl eines Vorstandsmitglieds
Schon bei der Gründung von bioverita war es ein Anliegen, eng mit den Bioverbänden zusammenzuarbeiten. Deshalb findet sich bis heute im Vorstand von bioverita je eine Vertretung aus dem Vorstand von Bio Suisse und von Demeter Schweiz. Herman Lutke Schipholt war seit 2015 als Vertreter von Demeter Schweiz Teil des bioverita-Vorstands. Er trat auf eigenen Wunsch von seiner Rolle zurück, nachdem er mit der Fusion von Demeter-Verband und Demeter-Verein in der Schweiz auch dort zurückgetreten war.
Zschunke würdigte Herman als engagierten und überzeugten Kämpfer für Bio-Züchtung, der sich an vielen Veranstaltungen für bioverita engagiert hat. Er habe sich als Brückenbauer verstanden zu Menschen, die noch nicht überzeugt waren von Bio-Züchtung oder biodynamischer Landwirtschaft.
Als Nachfolger von Herman wurde Alfred Schädeli in den Vorstand gewählt. Er ist Präsident des neu organisierten schweizerischen Demeter-Verbandes. Als biodynamischer Bauer hat er sich seit Jahrzehnten immer wieder für die Förderung der Bio-Züchtung stark gemacht.

Abstimmung über die Neuausrichtung
Mit der Jahresversammlung endete der bioverita-Strategieprozess, in den mehr viel Zeit investiert wurde. In dem Prozess erarbeitete bioverita zusammen mit seinen Mitgliedern die zukünftige Zielsetzung und die konkreten Aufgaben des Vereins. Zukünftig möchte bioverita mehr Transparenz schaffen und gleichzeitig die Aktivitäten enger mit den Mitgliedern zusammen gestalten.
Ein Maßnahmen- und ein Jahresplan sollen bei der Realisierung helfen. Entwürfe zu diesen Dokumenten waren zusammen mit konkreten Vorschlägen zur Neuausrichtung vor der Jahresversammlung an alle Mitglieder verschickt und auch bereits in mehreren Runden diskutiert worden.
Welche weiteren konkreten Maßnahmen beschlossen wurden, können Sie hier nachlesen.

Abstimmung über Änderungen in den Statuten und im Reglement
Der Vorstand des Vereins schlug mehrere Änderungen in den Statuten und im Reglement vor.
Da diese wegen teilweise unvollständiger Informationen in Frankfurt nicht final abgestimmt werden konnten, werden die Neufassungen der Dokumente in einigen Wochen auf der Website von bioverita einzusehen sein.
Verabschiedung von Markus Johann
Im Rahmen der Jahresversammlung wurde Markus Johann aus Altersgründen nach 15 Jahren als Vorstandsmitglied und Geschäftsleiter verabschiedet. Markus war von Anfang an, also seit 2011, bei bioverita engagiert und kümmerte sich seit Beginn um die Geschäftsführung des Vereins. Durch seine früheren Tätigkeiten, u.a. als Vorstandsmitglied von Bio Suisse, war Markus stark mit landwirtschaftlichen Kulturen verbunden. Nach und nach arbeitete er sich in die Logiken des Bio-Gemüsebaus und der Bio-Gemüsezüchtung ein und schloss immer mehr Kontakte nach Deutschland. Ein bedeutender Meilenstein war die erste große Sonderausstellung zur Bio-Züchtung auf der Biofach 2018. Sie rückte die Bio-Züchtung schlagartig ins Bewusstsein der Biobranche und führte zur ersten bioverita-Marktpartnerschaft mit Rinklin Naturkost.
In den Folgejahren kamen dank Markus und mithilfe von Anna-Lena May viele weitere Partner:innen und Mitglieder dazu. Markus hatte die Herausforderung zu meistern, mit Anna-Lena und Justine, heute mit Hannah, ein dezentral arbeitendes Team zu leiten. Dabei war ihm stets die gegenseitige Unterstützung und der Austausch auf Augenhöhe im Team sehr wichtig. Zschunke betonte, dass bioverita trotz begrenzter Ressourcen und einem vielfach herausfordernden Umfeld unter Markus` Leitung einiges für die Bekanntheit der Bio-Züchtung erreicht hat. Dafür dankte er Markus herzlich. Justine übergab ihm als Dankeschön und Erinnerung im Namen des bioverita-Teams eine Collage, die an viele gemeinsame Erlebnisse erinnert.

Blitz-Workshop mit Blick in die Zukunft
In den verbleibenden 20 Minuten führten wir in Kleingruppen ein Brainstorming durch. Jede Gruppe sollte ein Projekt beschreiben, dessen Umsetzung sie sich im nächsten Jahr von bioverita wünscht.
Es wurden erste Ideen gesammelt und anschließend den anderen Gruppen präsentiert. Erfreulicherweise kamen neben alten, auch ganz neue Ideen auf.
Sie lassen uns mit Elan in die Umsetzung der Neuausrichtung starten.
Fotos: bioverita; Foto Alfred Schädeli: Demeter Schweiz