Messebericht Biofach 2020

Sorten aus der Bio-Züchtung – mehr Sortenvielfalt bei wachsender Nachfrage

Große Vielfalt von Biosaatgut beim Treffpunkt Bio-Züchtung auf der BIOFACH 2020

Bereits zum dritten Mal präsentierte Bioverita den Fachbesuchern der BIOFACH das Thema der biologischen Saatgutzüchtung. Auf einer Fläche von 150 m2 konnten sich Erzeuger und Händler an zwölf Thementischen informieren. Viele Besucher nutzten die Möglichkeit zum direkten Austausch mit Züchtern und Marktpartnern über das wachsende Angebot spezieller Sorten für den Biolandbau.

Die zunehmende Bandbreite und Qualität der Bio-Züchtungen bei Gemüse, Kartoffeln, Äpfeln sowie Getreide fand bei den Besuchern regen Anklang. So zogen beispielsweise die vier Kartoffelzüchtungen von Ellenberg’s Kartoffelvielfalt GbR Rote Emmalie, Violetta, Heiderot und Blaue Anneliese durch ihre intensiven Färbungen viele Blicke auf sich. Ein guter Anlass für Interessierte, um mit dem Züchter Karsten Ellenberg über eigene Anbauerfahrungen ins Gespräch zu kommen.

Kartoffelzüchter Karsten Ellenberg. Foto: M. Büttner

Bio-Züchtungen punkten mit guten Eigenschaften

Die Anforderungen an die neuen Sorten aus der Bio-Züchtung sind hoch, weil viele unterschiedliche Bedürfnisse von Anbaubetrieben, Händlern und Konsumenten gleichzeitig bedient werden müssen. Die Sorten aus der Bio-Züchtung müssen eine natürliche Resilienz aufweisen, da im Bioanbau keine Pestizide eingesetzt werden dürfen. Auch ohne chemischen Dünger muss ein angemessener Ertrag gewährleistet sein. Außerdem müssen die Erzeugnisse eine optimale Transport- und Lagerfähigkeit besitzen – und letztendlich sollen sie dem Verbraucher natürlich gut schmecken und bekömmlich sein. Immer mehr Sorten aus der Bio-Züchtung erfüllen inzwischen diese Anforderungen. Darüber hinaus sind sie samenfest und damit nachbaufähig, sowie schließen gentechnische Manipulationen aus.

Frauenpower von Reinsaat. Gemüse-Züchterin Reinhild Frech-Emmelmann (rechts) zusammen mit einer Mitarbeiterin. Foto: M. Büttner

Die Sortenvielfalt und die Verwendung von Sorten aus der Bio-Züchtung muss weiter gestärkt werden

Entgegen der landläufigen Annahme basiert bisher nur ein kleiner Teil aller Bio-Lebensmittel, die in den Handel gelangen, auf Sorten aus der Bio-Züchtung. Dennoch – die Nachfrage nach diesen Sorten wächst. „In den ersten Wochen des neuen Jahres hatten wir deutlich mehr Bestellungen als üblich“, weiß Samuel Brackmann von der Bingenheimer Saatgut AG zu berichten. Und wenn die Bestellungen zunehmen, wächst auch das Interesse an neuen Bio-Sorten. Während es für Gemüse und Getreide bereits ein respektables Angebot an Sorten aus der Bio-Züchtung gibt, steht die Anmeldung von Apfelsorten erst noch bevor. Niklaus Bolliger, Leiter der Apfelzüchtung Poma Culta, zeigte sich optimistisch in den kommenden Jahren mehrere Sorten zur Marktreife zu bringen und zur Zulassung anmelden zu können. „Die Herausforderung dabei ist, sich im Registrierdschungel zurecht zu finden und die erforderlichen finanziellen Mittel dafür aufzubringen“, sagte er. Hier helfe der Austausch mit anderen Züchtern unter dem Dach von bioverita und die finanzielle Unterstützung durch den Saatgutfonds.

Apfelzüchter Niklaus Bolliger. Foto: M. Büttner

Kartoffelbauer Karsten Ellenberg ist bereits ein paar Schritte weiter. Er war sichtlich glücklich, gerade Heidemarie, seine fünfte selbst gezüchtete Bio-Kartoffelsorte beim Sortenamt angemeldet zu haben. Mit Blick auf seine farbenfrohen Kartoffeln ergänzte er: Die Natur ist nahezu perfekt und wunderschön, wir müssen sie nur richtig nutzen.“

Justine Lipke.

Foto: M. Büttner